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Hinweise zur Neugestaltung

Ulmer Erklärung zur „Rücksichtnahme und Bekenntniss des Ulmer Stadtbild“ gefordert

von Ulmer am 12.07.2011 | 14:40 | Kommentare: 15 |

... oder einfach gesagt: „ wacht endlich, endlich auf!“

Obwohl es die Forumregel verbieten, habe ich mich für einen ausführlichen Beitrag entschieden, weil sich viele „User“ bisher nur mit vergleichsweise harmlosen Themen zu Wort melden.

Vorab möchte ich sagen, dass ich weder gegen moderne Architektur bin noch die Arbeit und das Fachwissen der zuständigen Personen / Behörden in Frage stelle. Trotzdem sehe ich die Entwicklung unserer derzeit dominierenden Bebauungsform mit sehr großer Besorgnis und möchte, obwohl ich aufgewühlt und verärgert bin, das Thema sachlich und möglichst kurz behandeln.

Der kastenförmige Baustil hat sich seit der Bebauung des neuen Eselsberg und er Wissenschaftsstadt so langsam aber sicher in die Innenstadt vorgearbeitet - schleichend. Seit rund 10 Jahren wird nahezu jede bestehende, oder nach einem Abbruch entstandene, Baulücke im Alt- oder Innenstadtbereich mit einem langweiligen Kubus geschlossen. Diese sehen alle gleich aus, sind austauschbar und nehmen keinen Bezug / Rücksicht zum Umfeld. Ulm verliert Zusehens, und das mit aller Gewalt und Rücksichtslosigkeit, sein historisch geprägtes Gesicht. Giebelformen werden mit Sprüchen wie „... Ulm soll / muss modern werden...“ oder „... man muss auch alte Zöpfe abschneiden und mit dem Zeitgeist gehen...“ in Abseits gesprochen. Das es klassisch, jedoch mit modernen Materialien und Formen geht, zeigt man uns immer wieder in beeindruckender Weise: Gebäude „Beckers“ hinter der Bibliothek, Grabensee sowie die Häuser CasaNova, UWS, Museumsgesellschaft und Bürgerzentrum in der Neuen Str. sind sehr gut gelungen aber leider in der Minderheit. Sie sind einzigartig, fallen auf aber stören nicht. Alle anderen Gebäude wie SWU, Sparkasse, Daiber-Areal, Synagoge, Wengentor, Justizneubau, Safranberg, Marchtalerstr., Michelsberg, Höhenblick, Bethesda, Münchner Str. und sogar im alten Kern von Söflingen stören und verschandeln das Stadtbild in Bereichen, in denen man NIE solche Gebäude bauen dürfte. Die hochwertige NEUE MITTE hätte als Aushängeschild für ein probierfreudiges Ulm genügt.

Jetzt sieht man die ersten Planungen des Citybahnhofs mit dem Theater- und Postareal. Mir stockt der Atem und ich bin fassungslos! Hier sollen 14-20 Stockwerke hohe Gebäude aus Glas, Stahl und Beton und mittendrin kalte Plätze mit ein paar Zierbäumchen in ungemütlichen Straßenschluchten entstehen? Würde man heute wieder ein Universum- oder Donau Center bauen?
Wenn das so umgesetzt wird, ist mit einem Fingerschnipp eine so gigantisch große Fläche im Bereich Altstadtring mit Einheits-Würfelbauten vollgepflastert, dass man es als Ulm-Liebhaber kaum ertragen kann und wir damit einen negativen Höhepunkt in der Ulmer Baukultur erreicht haben. Ulm bekommt hier sein „Neu-Ulmer Wiley in XXL Format“ und wird dadurch nicht Großstädtischer.
Die gut gemeinte Internetplattform oder auch meine hier geäußerten Bedenken werden da nichts verändern — das muss von unseren Bürgervertretern endlich erkannt, geklärt und festgelegt werden.
Die Verantwortlichen dürfen meiner Meinung nach im Innenstadtbereich nur in Ausnahmen einen „DIN-EN-Kubus“ zulassen oder in komplett neuen Siedlungen, weit weg vom Münster, diese Formen erlauben. Es kann doch nicht sein, dass sich ein Gastronom an eine Auswahl von Gartenmöbeln halten muss, und wir gerade erleben wie hier die „Nach-Nachkriegs-Bausünde“ Einzug hält und wir einfach nur zuschauen. WER TRÄGT HIER DIE VERANTWORTUNG?
Was mich, neben meiner Wut und Enttäuschung so aufwühlt ist, dass sich anscheinend keiner, aber auch gar keiner, Sorgen macht oder sich gegen diese negative Entwicklung aufrichtet und seine Stimme erhebt. Ein Brief von mir an die Fraktionen blieb von allen unbeantwortet und die Presse ist ebenfalls ruhig — es fehlt ein Verein Alt-Ulm. Wenn ich mich nicht schon in einem anderen Bereich engagieren würde, würde ich all meine Kraft dafür verwenden und hier handeln.

Mein fast schon hilfloser und flehender Apell an die Verantwortlichen ist, diese „Kubisierung von Ulm“ sofort einzudämmen und das in einem Nachtrag in das Innenstadtkonzept 2010 aufzunehmen. Hier werden nämlich die nächsten Norm-Blöcke in Aussicht gestellt: Neue Straße West, Wichernstr. und Olgastr.
Lassen Sie uns nach dem „Ulmer Spatz“ ausschau halten der der Überlieferung nach schon ein großes Problem gelöst hat — wir brauchen das anscheinend dringender denn je! Wir brauchen keine großen Preisrichter die uns etwas aufschwatzen sondern das Fingerspitzengefühl damit Ulm wieder ein modernes, aber in Anlehnung an die historische Kulisse, Gesicht und keine Fratze bekommt!! Mir fehlt eine Definition in der Ulmer Stadtbildpflege die sich auf historische Gebiete und nicht auf Gartenmöbel bezieht.

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  Kommentare
Steffi am 28.07.2011 13:57:41

tja, jetzt bin ich erst kurz vor Schluss der Diskussion hier aufgeschlagen (ist eigentlich schon irgendwo beantwortet worden, warum die Diskussion morgen schon wieder beendet werden muss?) aber ich kann hier nur zustimmen, dass ein Hochhaus in der Stadtmitte (dazu würde ich das Bahnhofsgelände durchaus zählen) stört und dort nicht hingehört.

Allerdings beschäftigt mich bei dem ganzen noch eine weitere Frage: nach meinem Verständnis will doch die Stadt Ulm zwar vorschreiben, wie das Bahnhofsareal zukünftig aussehen will, aber selber möglichst nicht (mit Ausnahme der Infrastruktur) als Bauherr in Erscheinung treten. Das heißt aber, es muss andere Investoren für solche Gebäude geben. Und hier frage ich mich, gibt es überhaupt Investoren, die hier so viele neue Flächen hinsetzen und davon überzeugt sind, diese auch in absehbarer Zeit zu verkaufen bzw. vermieten?
Andernfalls hätten wir hier (wie in anderen Städten durchaus häufig anzutreffen) leerstehende Immobilien, die auch kein Stadtviertel attraktiver machen...

Ulmer am 28.07.2011 9:15:23

Hallo zusammen! Danke für die zahlreichen Anmerkungen die in Richtung Bürgerbeteiligung und technische Ausführung des Forum gehen. Obwohl ich selbst bei meinem letzten Eintrag (25.7.) das Thema kurz angerissen habe, möchte ich um die Rückkehr zu "meinen" Inhalten bitten und die Disskussion wieder in diese Richtung lenken. Nach wie vor hat die Moderation nicht auf meine Antwort vom 25.7. reagiert um die sie am 12.7. bat. Zum Thema "Hochhaus-Höhe" gibt es eine klare Definition: Ein Hochhaus ist dann eines, "wenn der Fußboden des letzten Aufenthaltsraum 22m über der Geländeoberfläche ist". Das sollte in diesem Bereich ausreichend sein und ALLEN Sichtachsen genügen und, wenn es gut gemacht ist*, auch nicht stören. (*Beispiele gab ich schon).
Ich möchte mich auch für den regen Zuspruch zu meinem Bericht bedanken. Das zeigt, dass dieses grundsätzliche Problem beachtet werden muss! In der Hoffnung, dass die Ideensammlung nicht abgebrochen wird und auf fruchtbaren Boden (Gemeinderat / Stadtverwaltung) fällt, und die Bedenken wirklich ernst genommen und erkannt werden, wünsche ich noch einen schönen Tag noch!!

Linie_2 am 28.07.2011 8:35:45

Der Einschätzung von "donaufisch" möchte entschieden widersprechen!

Ich halte dieses Forum, das leider technisch und in der Umsetzung nicht sehr geglückt ist, für äußerst sinnvoll und zielführend hinsichtlich einer allgemeinen Bürgerbeteiligung.

Ich teile nicht die Meinung, daß nur noch eine marginale Einflußnahme möglich wäre.
Leider hat dieses Forum jedoch gezeigt, daß überall dort, wo wirklich noch große Gestaltungsräume vorhanden sind, aus dem Kreis der Forumsteilnehmer nur wenige neue Ideen eingebracht wurden. Vielmehr hat man sich in weiten Teilen auf eine Oppositionshaltung zurück gezogen und in epischer Breite dargestellt was man NICHT will.

"Man" will keine Unterführungen dafür einen Autotunnel und eine oberirdische Fußgänger-Querung der Friedrich-Ebert-Straße. Das macht aber m.E. keinen Sinn, denn wer von der Schillerstraße oder einem der Bahnsteige kommt muß sich zwangsläufig auf Ebene -1 (oder 1) begeben. Die vorliegenden Entwürfe, z.B. von AP Plan und Kapler Sedlak zeigen, daß die Bahnhofstraße über eine leicht geneigte Rampe bequem und fußgänger-/behindertenfreundlich angebunden werden kann. Eine ebenerdige Lösung wird nicht ohne Treppen auskommen können. Jedermann ist gezwungen, zumindest die Straßenbahn- und Bustrasse zu queren.
Mit einer Verlegung der Straße in östliche Richtung und dem Beispiel der Neuen Straße vor dem Rathaus gibt es eine gute Lösung ohne einen unnötig teuren Tunnel.

Ich bin froh, daß die Stadt hier eine Tendenz vorgegeben hat auf die die Planungsbüros mit ansprechenden Vorschlägen reagiert haben.

"Man" will keine Hochhäuser. Aber auch die Frage halte ich auch noch lange nicht für entschieden. Abgesehen davon, daß kein Konsens darüber besteht, ab wann die Bürger ein Gebäude als Hochhaus empfinden, gibt es von der Stadt klare Aussagen, wo hoch gebaut werden kann und wo nicht. Daß sich einzelne Entwürfe nicht daran gehalten haben kann nicht als generelle Hochhausbefürwortung der Stadt ausgelegt werden. Das von manchem gewünschte Bahnhofsareal in durchgehend 3-stöckigem Gründerzeit-Baustil ist sicher genau so unrealistisch wie eine Mikado-Landschaft mit 6-8 "City-Tower". Was dazwischen liegt scheint mir durchaus noch offen.

Ich habe den Eindruck, daß teilweise die Entwürfe als fertige Planungen angesehen werden und es letztlich nur noch darum gehen würde, welcher Vorschlag 1:1 umgesetzt wird. Dem ist aber sicher nicht so - zumindest habe ich es so bei der Auftaktveranstaltung im Stadthaus so verstanden.

Wenn "donaufisch" dieses Forum nicht als Plattform für einen offenen demokratischen Meinungsaustausch sieht dann interpretiere ich das so, daß ihm Pseudo-Veranstaltungen, wie Sitzungen der RPGs, Bürgerversammlungen in den Stadtteilen oder die geplanten Präsenz-Foren besser geeignet erscheinen.

Hier muß ich leider sagen, daß solche öffentlichen Veranstaltungen zunehmend von nicht-institutionaliserten Dauer-Bedenkenträger zur Durchsetzung ihrer Partikularinteressen ge(miß-)braucht werden. Als einfacher Bürger hat man da (trotzt Bemühungen der Moderatoren) nur noch selten die Möglichkeit sich auf einer sachlichen Ebene zu Wort zu melden.

Ich bin froh über die Chance, meine Ideen und Meinungen hier in diesem Forum einbringen zu können und hoffe, daß diese nach dem Ende dieses Teiles der Bürgerbeteiligung in die nächsten Schritte wirklich auch einbezogen werden.

PS: Ich möchte abschließend ausdrücklich darauf hinweisen, daß ich weder ein städtischer Bediensteter noch ein im Vorfeld an der Planung irgendwie Beteiligter oder ein Mandatsträger bin.

donaufisch am 27.07.2011 17:41:41

Bürgerbeteiligung als Täuschungsmanöver

Dieses Forum wurde von der Stadt Ulm ins Leben gerufen, um in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, der Bürger könne an dem Entscheidungsprozess über den „Citybahnhof Ulm“ teilhaben.

Eine nüchterne Betrachtung zeigt indessen rasch, dass eine Einflussnahme nur in marginalen Fragen möglich ist.
Alle wichtigen Entscheidungen wie beispielsweise die Verlegung des Autoverkehrs in einen Tunnel unter der Friedrich-Ebert-Straße, die Errichtung von Fußgängerunterführungen und die Bebauung des Bahnhofareals mit „hohen Häusern“ oder Hochhäusern sind längst gefallen. Ausgewählte Entwürfe von Architektenbüros über die Gestaltung lagen lange vor Beginn dieses Forums vor.

Der Firma „DEMOS — Gesellschaft für Partizipation“, die dieses Forum zur Bürgerbeteiligung plante und durchführte, würde ich aus politischer Sicht keine Vorwürfe machen (Ob es technisch bessere Möglichkeiten zur Realisierung dieses Forums gegeben hat, kann ich nicht beurteilen). Diese Firma hat nur die Dienstleistung erbracht, für die sie mit 40.000 Euro von der Stadt Ulm bezahlt worden ist.

Äußerst problematisch scheint mir auch, dass sich ein Mitarbeiter der Ulmer Bauverwaltung lange Zeit beratend, vorschlagend, anmerkend und kommentierend unter Pseudonym im Forum betätigte, und erst auf mehrere Rückfragen hin seine Identität als städtischen Angestellten offenbarte. Dass ein Mitarbeiter des Leiters der Hauptabteilung Stadtplanung Volker Jescheck stark interessensbestimmte Standpunkte vertritt, braucht nicht besonders erklärt zu werden. Deshalb hätten Fairness und demokratischer Habitus verlangt, dass er von Anfang an klarstellt, wer er ist und wessen Interessen er vertritt.

Mein Fazit lautet: Dieses Forum ist keine Einrichtung, um einen demokratischen Diskurs zwischen Verwaltung und Bürger zu ermöglichen und zu fördern. Es ist eine Alibiveranstaltung, auf der Bürger von einer Verwaltung als Statisten missbraucht werden.

Linie_2 am 26.07.2011 7:43:08

Den Ausführungen von Ulmi kann ich nur zustimmen!

Allein schon die Tatsache, dass seine Kritik weiter unter dem Thema "Ulmer Erklärung zur „Rücksichtnahme..." läuft, zeigt, dass dieses Forum in seiner Anwendbarkeit erhebliche Mängel aufweist.

Ich will mich nicht in Mutmaßungen ergehen, warum und wieso hier einiges anders ist als in einem "normalen" Online-Forum.
Nur soviel: vielleicht sind wir alle einer babylonischen Sprachverwirrung erlegen und Forums-Betreiber, -Nutzer und -Auftraggeber hatten/haben jeweils unterschiedliche Vorstellungen davon, was hier statt finden soll.

Das ist auch kein Wunder in einer Zeit, wo in den Medien jeder Informationsaustausch gleich zum "Forum", jede Stichwortliste als "Wiki" und jede Überprüfung von Fakten zu einem "Streßtest" hoch stilisiert wird.

Schade drum - dieser Versuch hier war gut gemeint aber leider mangelhaft umgesetzt.

Ulmi am 25.07.2011 15:02:43

Hallo Ulmer, ich will mich zu 100% anschließen!

Noch eine Anmerkung zum Thema Moderation. Da lief einiges schief:

Zunächst wurde das Forum "übermoderiert", und zwar nicht im Stil einer Onlineforum-Moderation, sondern im Stil einer Mediations-Sitzung. Manche Beiträge der Moderation waren schlicht störend, weil sie konstruktive inhaltliche Diskussionen unterbrachen. Einzelne Teilnehmer gewannen den Eindruck, dass das Forum kein Diskussionsforum, sondern ein Mittel zur Stichpunktsammlung sein soll, eine Art Online-Brainstorming, bei dem die Diskussion zwischen Bürger und Bürger eher nicht gewünscht ist.

Moderiert wird das Forum von einer Firma in Hamburg, die sich viel Mühe gegeben hat, aber - aus meiner Sicht - von den fachlichen Details der Bahnhofsumgestaltung in Ulm kaum Ahnung hat. Notwendig wären also eine fachliche Betreuung durch entsprechende Experten sowie die Anwesenheit von Vertretern der Stadt Ulm, die in der Lage sind, die Ziele der Stadtverwaltung bzw. des Gemeinderats zu begründen.

Eine solche fachliche Betreuung erfolgte zwar, jedoch zuerst anonym durch den Benutzer "citybahnhof". Für seine zahlreichen fachlichen Darstellungen will ich mich bedanken, sie waren sehr hilfreich. Vertrauensvoller wäre die Zusammenarbeit im Forum natürlich gewesen, wenn "citybahnhof" von Anfang an klargestellt hätte, dass er nicht mit der Stimme eines Bürgers, sondern mit der Stimme der Stadtverwaltung spricht.

Aus den oben genannten Gründen wurde natürlich viel kritisiert an der Art der Moderation des Forums. Ich will nicht ausschließen, dass einzelne Teile der Kritik (auch von mir) unberechtigt oder unfair waren. Das tut mir Leid. Es ging nicht darum, einzelnen Personen Böses zu unterstellen. Die Abwicklung ist eben einfach unglücklich und aus meiner Sicht unprofessionell gelaufen.

Das, was man von einer Online-Moderation gemeinhin erwartet, wurde zum Teil gar nicht erledigt. Beispiel: Die Forums-Software ist nicht auf dem heutigen technischen Stand, Doppelposts werden nicht erkannt und können von Benutzern auch nicht selbst wieder gelöscht werden. Das fiele daher in den zentralen Aufgabenbereich der Moderation. Seit mehr als einer Woche steht aber der Doppelpost "Attachments" von Benutzer DanielR im Forum (14.07.2011, 20:02 und 20:10). Solche Doppelpost zu entfernen wäre nach Ansicht vieler hier die eigentliche Aufgabe einer Onlineforum-Moderation.

Zur Forums-Software:
Dazu habe ich schon einmal sehr ausführlich geschrieben. Jede gängige kostenlose BB-Software bietet technisch mehr. Vor allem mehr Übersicht, man sieht auf den ersten Blick, WER WANN zuletzt in einem Thread geschrieben hat und muss nicht erst auf Verdacht reinklicken um zu sehen, ob sich etwas Neues getan hat. Gerade für Neueinsteiger ist die hier eingesetzte Software eher verwirrend. Schade ist natürlich auch, dass man seine eigenen Ideen nicht mit hochgeladenen Skizzen ergänzen kann. Das hätte bei der Diskussion enorm geholfen.
Warum verwendet man nicht eine kostenlose Standard-Software?

Zum Wiki:
Auch hier das gleiche Bild: Die Wiki-Software hier ist nichts anderes als ein Editor, der von mehreren Leuten benutzt werden kann und Backups speichert. Das, was man eigentlich von Wiki-Software erwartet, nämlich eine Versionverwaltung mit Versionsvergleichen, Kapitelgliederung, interne Verweise, gibt es hier nicht. Wenn zum Beispiel jemand einen der länglichen Wiki-Texte bearbeitet und dadurch eine neue Textversion erzeugt, kann keiner erkennen, WAS derjenige am Text verändert hat. Man muss alte und neue Version des Textes komplett durchlesen und Satz für Satz vergleichen.
Auch hier die Frage, warum nicht kostenlose Standard-Software verwenden?

Sowohl die Forums- als auch Wiki-Software sind aus meiner Sicht für den Zweck einer Online-Bürgerbeteiligung denkbar ungeeignet. Gab es einen zwingenden Grund, genau diese Software zu verwenden? Hier bleibt mir nur ein Kopfschütteln.

Und zu guter Letzt:
Warum wird der Online-Dialog mit den Bürgern nach nicht einmal 4 Wochen wieder beendet? Hat man genug von der Bürgermeinung? Ist sie irgendwie störend?
Sorry, wenn ich das so provokativ frage, aber als Teilnehmer an dieser Forumsdiskussion muss man ein solches seltsames Gefühl bekommen...
Die Idee, überhaupt ein solches Forum einzurichten, ist super. Aber warum den beginnenden Dialog gleich wieder abwürgen?

Ulmer am 25.07.2011 9:55:25

Hallo Moderation! Am 12.7. hatten Sie mich gefragt, welcher Entwurf meinen Vorstellungen entgegen kommt. Wenn Sie meine Sorgen, Vorschläge und Argumente gelesen haben, wird die Frage schon beantwortet: KEINER! Das Gelände soll bebaut werden - keine Frage. Mir ist es auch egal ob ich einen Leberkässemmel und gleichzeitig Waschmittel kaufen könnte und ob sich Radfahrer und Punker vertragen oder nicht. Es geht doch um das grundsätzliche Problem der Gebäudegestaltung. Hierzu habe ich mich ausführlich geäußert: Keine Hochhäuser, keine Klötze im Bereich Schillerrampe, Theater, Post,etc. Gerne ein moderner Bahnhof - der Rest sollte in der Fassadenanordnung, der Dachform und der Materialauswahl abwechslungsreich gestaltet werden. Nehmen Sie die positiven Beispiele die ich aufgeführt habe und lassen es für das Gebiet umsetzen - das geht!! Man muss das nur vorgeben und bei einem Wettbewerb verlangen - vorausgesetzt man (=Stadt Ulm und Gemeinderäte) sieht die Nachteile der Klotz-Bauform für ULM, bleibt auf dem Boden und läßt sich nichts einreden. Wie gesagt: Man darf einen schlechten Bestand nicht durch die nächste "Schlechtigkeit" ersetzen.

Übrigens: Schade, dass das Forum so wenig beworden und von nur 108 Nutzern getragen wird. In Wirklichkeit gibt es mehr Bewohner, die sich solche Bauten nicht vorstellen können. Andere könnten zumindest abstimmen. NUn kann man sich am 29.7. die Hände reiben und sagen: "..wir haben es versucht.."

ulmmussschoenerwerde n am 23.07.2011 20:26:48

Bravo, bravo, bravo! Ich stimme ohne Einschränkung zu! Es ist einfach zum Heulen, dass dies es so ist wie Sie es sehr zutreffend beschreiben.

SebastianWachholz am 19.07.2011 2:29:41

Bravo, Bravo, Bravo!

Der Beitrag spricht mir aus der Seele...

Man sollte sich nur mal anschauen was die Sparkasse in Neu-Ulm auf der Insel plant! An den Menschen vorbei geplant... diese ganzen Kuben sehen vielleicht in einer Hochglanz Präsentationsmappe gut aus... aber wer will da denn leben und wohnen??

Fabian am 14.07.2011 15:22:42

Das mit den alternativen Materialien kann ich nur unterstützen. Wieso nicht mal was anders als Stahl, Beton, Glas nehmen? Wieso müssen die Bahnhöfe alle gleich grau aussehen?

Erik am 13.07.2011 11:52:46

Hallo,

zusammenfassend würde ich vorschlagen, also für den Bahnhof selbst, ließe sich aber auch auf das gesamte Areal anwenden:

NEIN:
- keine ellenlangen geraden Glasfronten oder riesige Sichtbeton-/Blechfassadenflächen
- keine ellenlangen, geraden Gänge mit X Geschäftsschaufenster (siehe z.B. Hbf Linz/OÖ, der ist zwar funktional aber echt nicht schön)
- nicht nur 90° Winkel
- keine absolute Raumsymmetrie

JA:
- auch ein paar Farbkleckse
- alternative Materialien und Oberflächen, gerne auch gebürstetes Metall, Naturstein, Holz, Kunststoff, Farbbeton, Lichtbeton, es gibt soo viele Werkstoffe und Imitate heute, die auch nicht allzu teuer zu haben wären
- Aufenthaltsqualität entsteht meistens durch geschickte Raumaufteilung, große symmetrische Flächen sollten zumindest optisch in kleinere, aber dennoch nicht zu verwinkelte Formen geteilt werden (wg. Schmuddeleckenbildung, Orientierung)
- maximale Ausnutzung des Tageslichts (Glasdach, -Kuppel: Licht von oben), möglichst wenig Quellen kalten Lichts
- viel Pflanzen/Grün
- ein gemütliches Café für die Wartezeiten ist auch wichtig

Keiner der Entwürfe passt wirklich zu Ulm, aber Hähnig/Gemmecke haben beim Bahnhofsentwurf schon was Besonderes abgeliefert, das man gut weiterentwickeln könnte.

Moderation am 13.07.2011 11:08:04

Hallo Erik, Ulmer und Cortauri, liebe Teilnehmende,

was für ein Stil für den neuen Bahnhof würde Ihrer Meinung nach zu Ulm passen? Welche Besonderheiten könnte das neue Gebäude aufweisen, damit sich die Ulmer damit identifizeiren können?

Welcher der Entwürfe kommt Ihnen in dieser Hinsicht entgegen:  Link

Viele Grüße,
B. Hohberg (Moderation)

Erik am 12.07.2011 22:12:09

Hallo Ulmer,

danke für Ihren empörten Beitrag.

Ja, leider ist der vorwiegende zeitgenössische Architektur-"Stil" entstellend, und das nicht nur in Ulm.

M.M.n. ist das zuerst dem Imperativ des Geldes geschuldet. Gebäude müssen heute in erster Linie ihre Funktion effektiv, d.h. möglichst verschwendungsfrei erfüllen und nur teilweise repräsentativ für den Erbauer/den Bewohner stehen. Da wurden sie durch andere Statussymbole ersetzt (z.B. Auto, Smartphone, Internetpräsenz, u.v.a.). Es zählen stattdessen eher die "inneren" Werte (Heizkosten, Schimmelbefall, Raumaufteilung der Küche).

Austauschbarkeit ist außerdem eine Prämisse für Flexibilität (z.B. der Arbeits- und Konsumverhältnisse in einer globalisierten Welt). Siehe McDonalds, Starbucks, etc.

Aber, vielleicht sind wir alle einfach viel rationaler, gradliniger, logischer, effizienter, aufgeklärter, unverklärter und unsinnlicher geworden. Vielleicht auch oberflächlicher? Jedenfalls passt in unsere technologisierte, funktionalisierte, globalisierte Welt keine Architektur mit Schnörkeln, Bögen, schiefen Winkeln, krummen Balken, dunklen Ecken. Nein, das funktioniert nicht. Wir brauchen gerade Linien, rechte Winkel (optimale Raumausnutzung), viel Glas ("Transparenz", "Offenheit", Werbeflächen), viel Beton (vermittelt Stabilität, leicht zu verarbeiten und transportieren), viel Metall (bildet die Fasssade über dem Beton, gleichförmige Flächen). Da fühlen wir uns zwar nicht wohl, aber wir sind es gewöhnt und das Auge und der "Geist" (heute Gehirn genannt) verirrt sich nicht. Mit klarem Kopf können wir so unsere Arbeit erledigen und die wesentlichen Informationen (z.B. Werbung, die "Nachrichten"), in uns aufnehmen.

Sorry für die Ausschweifungen und die Übertreibung, aber so in etwa sehe ich das.

Die letzten brauchbaren Gedanken der Architekturentwicklung stammen noch aus der Bauhauszeit. Auf die Spitze getrieben und ausgehöhlt, sind deren Ideale heute leider großteils zur Norm geworden.

Manchmal freue ich mich jedoch auch über so einen "gesichtslosen Kasten", wenn ich dafür eines dieser furchtbaren Häuser aus den 50er/60er Jahren nicht mehr sehen muss. Das wäre der gute Aspekt so manchen Ulmer Neubauprojekts...

Gruß,
Erik

Cortauri am 12.07.2011 18:55:28

Ich gebe Ihnen recht, dass man bei den geplanten gebäuden darauf achten sollte, dass diese Besonders sind und nicht alltäglich.

Wobei ixh mir da ehrlich nicht sooo die Sorgen mache. Was man auf jedenfall verhindenr muss ist so ein Baustil wie in Neu-Ulm. 50ziger Jahrestil, langweilig und hässlich!

Ob man aber jetzt zu besonderen Formen wie z.B. einrr Glaspyramide (siehe Biliothek) oder sogar ausgefallene Dinge wie im Stil von Hundertwasser oder Gaudi greifen sollte, zweifle ich stark an.

Was ist denn für Sie denn ein "Ulmer Baustil" oder "Ulmer Stadtbild"?

Moderation am 12.07.2011 15:52:28

Hallo Ulmer,

vielen Dank für den ausführlichen Artikel. Es ist sehr gut, wenn Sie Ihren Eindruck äußern und damit eine Diskussionsgrundlage schaffen.

Vielleicht könnten Sie Ihre Vorstellungen konkretisieren, was bei der Neugestaltung des Ulmer Bahnhofes beachtet werden sollte. Gibt es momentan Aspekte, die Sie am Bahnhof stören? Sehen Sie Möglichkeiten wie der neue Bahnhof Ulm einen Attraktivitätsgewinn bescheren kann? Was sollte beibehalten werden?
Vielleicht finden Sie in den Entwürfen Aspekte, die Ihnen gefallen oder die Sie vermeiden würden.
Die Thematik der Hochhäuser wurde auch in einem anderen Beitrag behandelt:  Link

Viele Grüße
Dorothée Rütschle (Moderatorin)

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